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Karl Friesl Karl Friesl Karl Friesl Karl Friesl Karl Friesl

Karl Friesl

8. Mai 1921, Pinkafeld
Landwirt
8 VS
8 Kinder

20er Jahre

Ich kann mich erinnern, die meisten Geschäfte da in Pinkafeld waren noch ungarisch angeschrieben. Auch die Vornamen sind oft auf ungarisch gesagt worden, zum Beispiel haben sie zum Rudolf Rösche gesagt, zur Maria Marischka und zum Alois Loisch. Das kann man heute auch noch hören.

Krieg und Gefangenschaft

In Russland habe ich Magen- und Darmkatarrh gekriegt, und dann bin ich mit dem Lazarettzug zurückgekommen. Wie ich wieder gesund gewesen bin, sind wir nach Italien gekommen. Da ist die Malaria gewesen, und ich habe die Malaria gekriegt. Jetzt bin ich wieder zurück herauf gekommen, ins Spital nach Deutschland. Ich bin dann auch da in Pinkafeld im Lazarett gelegen, und dann bin ich wieder nach Italien gekommen, und dort dann in Gefangenschaft. Im 52er Jahr habe ich wieder einen Malaria-Rückfall gehabt.

Wir waren in Gefangenschaft bei den Amerikanern. Unter freiem Himmel, mit Decken und Leintüchern haben wir so eine Art Zelt gemacht. Wir haben in der Früh und am Abend antreten müssen, in Hundertschaften. Dann haben sie immer durchgezählt, ob eh alle da sind. Und dann haben wir im Lager so eine Tafel aufgestellt: „Burgenländer“. Jetzt sind die Burgenländer alle vorbeigekommen. Von Pinkafeld waren auch ein paar dabei.

Heiß ist es gewesen, und dann haben wir in Gruppen baden gehen können, hinaus in die Adria. Das ist so salzig gewesen, das Wasser. Einmal bin ich hinein gegangen, kein zweites Mal nicht mehr. Da ist man erst hungrig geworden. Hungrig und durstig. Es ist ja alles so knapp gewesen da unten.

Besatzung

Wir haben mit den Russen nicht viel Kontakt gehabt. Einmal, da haben wir das Futter in der Kaserne eingelagert, und da haben sie mitgeholfen beim Arbeiten. Die sind dort einquartiert gewesen. Sie sind dann so kleinweise verschwunden, da hat es keinen großen Abschied gegeben.

Kennenlernen des Ehepartners und Hochzeit

Wie ich da in Pinkafeld im Lazarett war, im 43er Jahr, jetzt sind sie von den Ortschaften gekommen, von Woppendorf, Burg, und da ar meine jetzige Frau auch dabei. Die sind auf Betreuung gekommen, haben uns eine Mehlspeise gebracht und einen Wein, und so haben wir uns kennengelernt. Dann bin ich wieder fortgekommen. Und nach dem Krieg bin ich mit dem Radl nach Woppendorf gefahren. Da hab ich sie überrascht. Das sind 30 Kilometer, und ich hab unterwegs drei Mal Patschen picken müssen. Sie ist dann eh auch öfter heraufgekommen. Da ist dann auch der Zug gefahren.

Im 48er Jahr haben wir dann geheiratet. Aber meine Frau ist noch ein Jahr unten geblieben, weil sie den Eltern beim Arbeiten helfen hat müssen. Wir haben uns die erste Zeit nur am Sonntag gesehen. Die Maria ist unten auf die Welt gekommen. Dann sind sie eh heraufgezogen. Da hat die Sonne so schön gescheint, im Feber. Der Onkel hat sie mit dem Pferdewagen übersiedelt.

Feuerwehr

Ich bin im 48er Jahr zur Feuerwehr gegangen. Heute bin ich der älteste dort.Nach dem Krieg war eine Versammlung beim alten Rathaus, und da ist die Feuerwehr wieder neu aufgestellt worden. Es sind ja viele umgekommen im Krieg. Im Winter ist jede Woche Schulung gewesen. Und nach der Schulung sind wir zum Fuith. Da ist es dann halt auch ein wenig lustig gewesen.

Viele Gerätschaften sind im Krieg verloren gegangen. Ein Spritzwagen, der ist sogar in Salzburg gewesen, aber wir haben ihn wieder zurück bekommen. Den haben die Russen mitgenommen gehabt. Der Guth, der war Nationalrat und Feuerwehrkommandant, und der hat geschaut, daß wir ziemlich alles wieder zurückbekommen haben. Es waren eh lauter alte Geräte. Einen amerikanischen Tankwagen haben wir gehabt, einen Dodge mit Handspritze. Der war nicht viel wert, aber er hat funktioniert.

Umzüge

Die Feuerwehr hat Geld gebraucht, jetzt haben sie halt allerhand angefangen, wie damals den Faschingsumzug, davor das Blochziehen, Sommerfeste und dann den Ball. Das Blochziehen ist, wenn im Ort keiner heiratet. Da haben sie von der Gemeinde einen großen Baum gekriegt, den haben wir hergerichtet, das war die Waldbraut, und da hat der Bräutigam, das war mein Bruder, oben sitzen müssen. Die Frau Oblak war als Braut angezogen. Die Musikkapelle, die Feuerwehr und die Leute sind dann vom Bahnhof durch die Stadt marschiert. Und die ledigen Burschen haben den Wagen ziehen müssen. Das hat am Faschingsonntag um ein Uhr angefangen und hat bis fünf Uhr gedauert. Vom Bahnhof bei der Lederfabrik vorbei, über die Brücke und dann herauf auf den Hauptplatz. Da ist ein Haufen Geld hereingekommen.

Landwirtschaft:

Den ersten Traktor haben wir im 58er Jahr bekommen, einen Lindner. Das war eine große Erleichterung, weil wir dann nicht mehr mit den Kühen fahren brauchten. Mit denen hat man alles machen müssen, ackern, anbauen, Holz fahren, die haben Milch geben müssen und Kälber haben sie auch haben müssen. Jetzt haben sie rasten können.

Die Traktoranhänger hat der Fliegenschnee-Schmied gemacht. Die Achsen und Reifen hat er bestellt, und dann hat er alles zusammengeschweißt. Die Anhänger für die Kuhwagen haben hölzerne Räder gehabt. Der Wagner hat das Holz gemacht, das hat entweder Birkenholz oder Eschenholz sein müssen. Und der Schmalzer-Schmied oder der Fliegenschnee, die haben das Eisen gemacht. Das war viel Arbeit.

Die Pinkafelder Ärzte:

Krankenkasse haben wir keine gehabt, aber der Doktor Supper hat gesagt: „Wir machen das schon.“ Bei dem hat man an einem Sonntag genau so kommen können wie unter der Woche.

Dann hat’s den Gaischek-Doktor gegeben, der hat einen Jeep gehabt. Und wenn der in ein Haus gerufen worden ist, und die haben eine Wirtschaft gehabt, jetzt hat er einmal geschaut: Wenn ein großer Misthaufen war, hat er mehr verlangt, und wenn ein kleiner war, weniger. Dann ist er einmal auf einem Hohlweg gefahren, und da ist ein Zigeuner gegangen. Der hat den Gaischek gesehen und gesagt, er soll aufhalten, er hat so Zahnweh und hält es nicht mehr aus. Jetzt hat der Gaischek gesagt, er soll sich auf die Kühlerhaube setzen, und dann hat er ihm den Zahn gerissen, gleich auf dem Hohlweg.