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Vilma Gartner Vilma Gartner Vilma Gartner Vilma Gartner Vilma Gartner

Vilma Gartner

26. Juni 1914, Pinkafeld
Hausfrau
7 VS
5 Kinder

Schule

In die Volksschule bei der Kirche, dort sind nur die Buben gegangen. Die Mädel sind im Kloster in die Schule gegangen, und die Evangelischen waren gemischt, die sind in die evangelische Schule in der Hauptstraße gegangen, dort vis-a-vis, wo jetzt der Zielpunkt ist. Wir haben Klosterschwestern als Lehrerinnen gehabt. Die Schwester Flora hat die 1. bis 3. Klasse unterrichtet und die Schwester Wilma die 4. bis 8. Klasse. Mein Bruder, der ist in die Bürgerschule gegangen, der hat ein wenig ungarisch gelernt. Wir nicht.

Kennenlernen des Ehepartners:

Mein späterer Mann war in Pinkafeld in der Kaserne als Soldat. Wir sind öfter auf eine Unterhaltung gegangen, beim Eisgrübl oder beim Szemes. Dort habe ich ihn zum ersten Mal gesehen, bei einer Faschingsunterhaltung. Wir haben getanzt, und dann sind wir halt öfter miteinander ausgegangen. Ins Kino auch schon. Geheiratet haben wir im 36er Jahr in Wien, in der Karlskirche. Er war da gerade in Wien stationiert. Da ist er jede Woche mit dem Zug hinausgefahren. Er hat sich aber eh bald hereinversetzen lassen. Dann, im 39er Jahr, sind wir nach Wiener Neustadt gezogen, da war er in der Feuerwerksanstalt. Auf einmal hat es ge-heißen, sie gehen auf Manöver. Da sind sie aber schon dem Krieg zu gegangen.

Kriegszeit

Während dem Krieg war ich allein mit den Kindern, nur wenn er Urlaub gehabt hat, ist mein Mann heimgekommen. Einmal hat er geschrieben, ich soll in Wr. Neustadt zum Bahnhof kommen. Da sind sie mit dem Zug durchgefahren. Ich war mit den Kindern dort, aber wir haben nur winken können, das war alles. Wir haben nichts reden können, weil der Zug hat nicht gehalten. Das war schwer...Geschrieben hat er jeden Tag. Jeden Tag hab ich einen Brief gekriegt. Das ist wie das Amen im Gebet gewesen. Während dem ganzen Krieg.

Das Geld für meinen Mann habe ich gekriegt. Die im Krieg haben nur ein Taschengeld be-kommen. Jetzt habe ich ein wenig gespart auch. Aber im Haus in Wr. Neustadt ist eine ge-wesen, die hat gesagt: „Frau Gartner, ich muß zu Ihnen pumpen kommen.“ Da habe ich zuerst nicht gewußt, was sie pumpen will. Dann hat sie gesagt, der Lichtmann ist da, sie kann nicht zahlen. Das war eine Deutsche. Wir waren 16 Parteien im Haus, nur wir und sonst lauter Deutsche. Ich hab das Geld eh wieder zurückgekriegt, aber wenn ich weiß, daß am 29. der Lichtmann kommt, muß ich ja Geld auch haben. Die hat nur ein Kind gehabt, aber die hat sich das Geld nicht einteilen können.

Besatzungszeit

Wie die Russen gekommen sind, bin ich mit den Kindern fortgegangen, nach Rohrbach hinaus. Die Schwägerin hat gesagt, ich soll hinauskommen. Mein Mann hat da gerade Urlaub gehabt und hat mir geholfen, die Koffer einzupacken. Von der Fabrik ist ein Auto hinaus-gefahren, die haben uns mitgenommen. Aber dann hat es geheißen wir können auch dort nicht bleiben, die Russen kommen. Jetzt sind wir zu Fuß nach Lebing hinauf, die Kinder im Och-senwagen.

Wir waren bei einem großen Bauern, da sind wir jeden Abend zusammengesessen und haben gebetet. Auf einmal ist die Magd gekommen und hat gesagt: „Die Russen kommen.“ Die Tochter im Haus war 16 oder 17, die hat sich auf dem Dachboden versteckt, aber die Russen haben sie gefunden und sind über sie hergefallen. Ich hab zu meinen Kindern immer gesagt: „Geht nicht weg von mir, die schlagen mich“. Ich hab ihnen ja nicht sagen können, was sie machen. Jetzt sind sie immer bei mir gewesen, und mir ist nichts passiert.

Ein paar Tage bevor die Russen gekommen sind, hat die Bäurin Brot gebacken, 12 Laib. Ich hab von ihr einen Laib kaufen wollen, für die Kinder. Aber sie hat gesagt: „Um Geld krieg ich ja nichts,“ und sie hat mir keinen gegeben. Wie dann die Russen gekommen sind, haben sie das ganze Brot mitgenommen. Jetzt hat niemand was davon gehabt.

Wie es dann wieder ruhiger war, sind wir nach Pinkafeld heim. Ich bin mit einem Kinder-wagen gefahren, und die anderen Kinder sind neben her gelaufen. Jetzt ist ein Auto voller Russen dahergefahren, die haben gelacht, wie sie mich gesehen haben. Aber getan haben sie mir nichts. Wir sind zu Fuß von Rohrbach herein nach Pinkafeld. Die Frieda hat schon ge-weint: „Ich kann nicht mehr gehen“. Jetzt hat der Siegfried gesagt, er geht vom Kinderwagen heraus, sie soll sich hineinsetzen. Wie wir beim Gerichtsberg gestanden sind, da habe ich gesagt: „Gott sei Dank, in Pinkafeld stehen die Häuser alle. Das hat mich so gefreut“. Meinem Vater sind gleich die Tränen gekommen, wie er uns gesehen hat.

In unserem Haus waren Russen einquartiert, das waren Schuster und Schneider. Der eine hat ein wenig deutsch können, jetzt hat er gesagt: „Ein paar Tage noch Geduld, dann wir gehen.“ Dann hat er jedem Kind ein paar Stück Würfelzucker gegeben. Da hab ich mir gedacht: Das ist ein ordentlicher Mensch, wahrscheinlich hat der daheim auch Kinder gehabt“. Nach ein paar Tagen sind sie wirklich fort. Jetzt habe ich alles zusammengeräumt, habe die Betten hinaus getan, alles aufgewaschen, und wie ich halb fertig bin, kommt ein Russe: „Dawai! Dawai!“ hat er geschrieen, ich soll mich tummeln, oder was immer das geheißen hat. Ich war noch nicht fertig, jetzt sind schon wieder andere gekommen und haben herein wollen. Die haben dann eine Kuh dahergebracht, die haben sie im Hof geschlachtet und haben mir dann ein Fleisch gegeben. Und mit dem Kaleß haben sie Leute dahergebracht, die sind in unserem Keller eingesperrt worden. Für die habe ich kochen müssen. Da habe ich nur Rollgerste bekommen und habe mir gedacht: „Was soll ich denn damit machen?“.

In unserem Hof hat immer ein Russe Wache gehalten. Wie mein Mann dann heimgekommen ist – der hat in Wien von den Leuten Zivilgewand gekriegt – jetzt sind die Kinder hinaus und haben gerufen: „Der Papa ist da, der Papa ist da!“, die haben sich so gefreut. Und ich hab mir gedacht, naja wer weiß, was jetzt passiert, wenn der Russe da draußen steht. Er ist dann untersucht worden, aber er hat keine Papiere mitgehabt. Jetzt hat er zur Kommandantur müssen. Er ist dann beim Ziermann-Bäcker zum Brotbacken eingeteilt worden

Dann war mein Mann daheim. Da waren schon drei, die vom Militär gekommen sind und dann in der Fabrik angefangen haben. Aber er hat gesagt, das werde ich nicht erleben, daß er in der Fabrik arbeitet. Dann habe ich gesagt: „Das sage ich dir jetzt: Ich gehe zu Mittag zum Betriebsleiter von der Fabrik und frage ihn, ob ich bei der Hutter und Schranz anfangen kann.“ Wie er das gehört hat, ist er aufgestanden und hat gesagt, er geht hinauf. Jetzt hat er wirklich mit ihm geredet und am Montag hat er dann schon zu arbeiten angefangen. Dann hat er zehn Jahre in der Fabrik gearbeitet. Da hat es drei Schichten gegeben, aber die Nachtschicht hat er nicht so gern gehabt. Dann haben sie das Bundesheer wieder aufgestellt, und dann hat er wieder dort hinkönnen.

Verwandte in Amerika

Meine Schwester ist im 22er Jahr ausgewandert, und im 23er Jahr der Bruder. Da ist nach Friedberg noch kein Zug gegangen, da haben sie mit einem Pferdewagen hinauffahren müssen.14 Tage sind sie mit dem Schiff gefahren, da sind sie auch seekrank geworden. Viel haben sie nicht mitnehmen können. Der Bruder von meiner Mutter war schon drinnen in Amerika, da ist meine Schwester dann hin. Sie hat so viel Heimweh gehabt, jetzt hat sie immer geschrieben, mein Bruder soll auch hinein fahren. Dann ist der auch hinein gefahren.

Wir haben immer geschrieben. Geschickt haben sie auch viel, überhaupt nach dem Krieg. Meine Schwester und mein Bruder, die haben Geld in die Schweiz geschickt, und dann haben wir von der Schweiz immer 25 Kilo Mehl gekriegt. Und der Einkäufer vom Strobl, der ist oft nach Wien gefahren, und der hat das Mehl dann mithereingenommen. Gewand haben sie auch geschickt. Sie haben immer geschrieben, ob wir was brauchen. Wenn sie auf Besuch gekommen sind, sind sie immer ein paar Monate da gewesen.