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Karl Herold Karl Herold Karl Herold Karl Herold Karl Herold

Karl Herold

29.10.1918, Oberschützen
Lehrer und Schulleiter
6 VS, 4 Gymnasium,
5 LBA Oberschützen
2 Kinder

Verwandtschaft in Amerika

Meine älteste Schwester ist am 12. Oktober 1923 nach Amerika ausgewandert. Ganz alleine, sie war damals 22 Jahre alt. Damals war es so Sitte, daß jemand für sie gutstehen hat müssen., und unser Nachbar war schon drinnen in Amerika, und der ist für sie gutgestanden, so hat sie reinfahren können. Sie hat auch in Amerika geheiratet, und zwar einen Mann aus Großpetersdorf. Ich hab auch zwei Cousinen in Amerika gehabt, die haben auch Deutschsprachige geheiratet, die eine einen Riedlingsdorfer, die andere einen Unterschützer. Die haben sie drinnen erst kennengelernt.

Meine Schwester ist auch in Amerika begraben. Sie war im Jahre 53 da auf Besuch, ein Jahr bevor der Vater gestorben ist. Der war vor dem ersten Weltkrieg auch 6 Jahre in Amerika. Dann ist er nach Hause gekommen. Dann ist der Krieg gekommen und er hat einrücken müssen und das ganze Geld, was er sich in Amerika verdient hat, war futsch. Außerdem war er an beiden Beinen schwer verwundet, er war ein 100%iger Invalide.

Zusammenhalt im Dorf

Der Zusammenhalt war damals sehr groß. Wenn im Dorf jemand abgebrannt ist, dann sind die zu den anderen Häusern sammeln gegangen. Da sind sogar aus der Steiermark und aus Niederösterreich Leute gekommen, die abgebrannt sind. Und wenn bei einem ein Vieh eingegangen ist, da hat ein jeder Bauer – abhängig von seinem Viehbestand – eine bestimmte Geldsumme bezahlt.

Zwischenkriegszeit

Wir Oberschützer sind immer nach Pinkafeld einkaufen gegangen, z. B. zum Pehm, der war dort, wo jetzt der Billa ist. Meine Mutter hat dem Gänse verkauft, dafür hat der uns eingekleidet. Meine Mutter hat gut handeln können. Der Ebner hat uns das Vieh immer abgekauft. Und dann sind wir ins Kino gegangen, und dann haben wir da Volkstanz gemacht. Mit der Oberschützer Volkstanzgruppe sind wir im 38er Jahr nach Hamburg, dann nach Lissabon, Madeira, Neapel und Genua gefahren.

Das Oberschützer Gymnasium hat zu meiner Zeit als bestes Gymnasium in Österreich gegolten. Der Herr Putsch, ein Pinkafelder, war Direktor. In Deutsch habe ich auch einen Pinkafelder gehabt, den Prof. Ulreich, sein Vater war Arzt. Und in Mathematik und Turnen den Prof. Tilian, der war aus Kärnten. Er war ein großer Vaterländer. Leider Gottes ist der 38 dann hinausgeflogen. Er ist dann zuerst zurück nach Kärnten, Aber dann ist er nach Salzburg gekommen und ist dort Direktor der Lehrerbildungsanstalt geworden, denn sein Freund war der Gauleiter von Salzburg. Jetzt hat er nach 45 auch wieder draufgezahlt.

Wir haben in der Schule bis 38 nur Handball gespielt. 1937 haben wir sogar die österreichischen Mittelschulmeisterschaften gewonnen. Fußball war verboten, weil – das war bevor ich 1931 ins Gymnasium gekommen bin – da hat einmal Oberschützen gegen eine Schule in Oberwart gespielt. Und da ist folgendes passiert: Ein Spieler von Oberschützen hat dem Oberwarter linken Flügel, das war ein Jude, absichtlich die Füße abgetreten. Daraufhin hat der Direktor Putsch das Fußballspielen verboten.

Kriegszeit

Ich hab den Frankreichfeldzug mitgemacht. Da hätten wir hinunter sollen bis nach Gibraltar, aber wir sind da vorher nach Rußland gekommen. Wir haben damals lauter französische Pferde gehabt. Da oben war schon Eis, und die Pferde sind so viel gefallen und eingegangen. Und oben bei Leningrad da ist mein Pferd dann einmal hinten geblieben – ein schönes Pferd. Und ich hab dann gefragt: „ Na, wo ist denn mein Maxi“. Da sagt einer: „Den haben sie schon längst gegessen“. Am 2. Jänner 42 hab ich dann beide meine Füße gefroren, die waren ganz weiß und ganz fest. Das Auftauen war der größte Schmerz in meinem Leben. Zu dritt haben sie mich festgehalten und zwei die Zehen mit Schnee eingerieben. Sie wollten mir schon zwei Zehen abschneiden, aber zum Glück sind sie wieder geworden.

Eine russische MG hat immer unsere Essenträger beschossen. Und ich hab gesagt, ich weiß, wo die sind. Dann hab ich drei Leute mitgekriegt und wir sind dort hin, einer davon war ein Pole, der hat russisch können, der hat in den Unterstand hineingerufen, und die Russen sind gleich alle rausgekommen. Die waren sechs. Und dann haben wir bei den „Spanischen Reitern“ (Stacheldrahtabsperrung) durch müssen, und da war eine Mine drin, da hat’s mich erwischt. Da sind gleich die Fetzen runtergehängt. Das Glück war, daß es 40 Grad minus gehabt hat, sonst wäre ich verblutet. Das ist alles gleich gefroren. Ich hab keine Explosion gehört, ich hab nichts gespürt, ich hab so einen Schock gehabt. Ich bin dann zum Hauptverbandsplatz gekommen und dort haben dann schon die Schmerzen angefangen, da war aber kein Arzt dort. Jetzt ist einer neben gestanden, der hat gesagt, er ist ein Tierarzt, aber er kann das auch. Dann hat der Tierarzt mir eine Narkose gegeben und hat mir die Hand amputiert. Aber die Hand hat nicht geeitert, ist gleich verheilt.

Ich hätt dann mit anderen Verletzten zurück in die Heimat kommen sollen, aber mit dem Zug ist es nicht gegangen, in den Viehwaggons, da wären wir erfroren. Jetzt sind wir zum Flughafen hinaus, und da hat’s geheißen: „Es sind schon Flugzeuge da, aber wann die zurückfliegen, wissen wir nicht.“ Auf einmal fragt mich einer, von wo ich bin. Da sage ich: „Aus der Steiermark. – „Ja, von wo denn?“ – „Aus Oberschützen“. Jetzt sagt der: „Depp einer, kennst mich nicht?“ Das war ein Willersdorfer, der war Jagdflieger, und der hat dafür gesorgt, daß wir mit einer Ju-86 bis Kauen fliegen konnten, das ist in Litauen. Aber das Flugzeug hat keine Heizung gehabt, wir haben uns mit Decken warm gehalten.

Schule in der Kriegs- u. Nachkriegszeit

Ich hab dann im Mai 42 Urlaub gekriegt und hab mich sofort als Lehrer angemeldet und bin dann zur Hauptschule Rechnitz zugewiesen worden. Dort war ich dann bis Kriegsschluß. Einen Tag war ich in der Hauptschule von halb acht bis zwei Uhr, den andern Tag in der Volksschuloberstufe. Da hab ich 86 Schüler in einer Klasse gehabt. Davon waren 40 deutsche Kinder von den Thyssen-Werken, die ausgebombt waren. Die haben im Schloß gewohnt. Während der Zeit hab ich auch meine Frau kennengelernt. Geheiratet habe ich 1943.

Wie dann die Russen gekommen sind, sind wir in die Obersteiermark. Wir sind um drei Uhr nachmittags weg von Rechnitz, und um sechs Uhr hat dann im Schulhaus eine Bombe eingeschlagen, genau bei unserer Wohnung. Nach 1945 bin ich in die Volksschule Rechnitz gekommen, weil ich war ja eigentlich Volksschullehrer. Dann war ich zwei Jahre in Aschau, dort haben ich 69 Kinder unterrichtet, und dann 30 Jahre in der Volksschule Markt Allhau. Dort war ich dann auch Schulleiter, und dort habe ich mit den Vorschulklassen angefangen. Die Schüler sind vom ganzen Hauptschulsprengel gekommen.