Bilder werden geladen...
loading
Karl Kleinrath Karl Kleinrath Karl Kleinrath Karl Kleinrath Karl Kleinrath

Karl Kleinrath

7. Jänner 1915, Pinkafeld
Landwirt, Kommunalpolitiker
4 Kinder
Schulweg 4 VS, 4 HS

20er Jahre

Ich bin auch noch kurz in die ungarische Schule gegangen, das war gerade die Freischärlerzeit. Da sind die Ungarn gekommen und wollten alles unter ihrem Kommando haben. Die haben die Bevölkerung aber sehr terrorisiert. Die haben die Ross weggenommen und so weiter. Dann bin ich einmal mit meinem Vater da auf der Wiesflecker Straße gefahren, und die Freischärler haben uns kontrolliert. Man hat einen Ausweis haben müssen, daß man mit den Kühen fahren hat dürfen. Und sie sind auch in die Schule gekommen und haben gefragt, ob da eh ungarisch gelernt wird. Dann hat ein Freischärler zu mir gesagt: „Zähl einmal bis zehn.“ Jetzt haben ich auf ungarisch bis zehn gezählt, das kann ich heute noch.

Und dann im Herbst, im 20er Jahr, da hat die österreichische Gendarmerie einmarschieren wollen. Und dann hat es da bei der Faulbaumbrücke ein Gefecht gegeben, wo jetzt der Flugplatz anfängt. Zwei österreichische Gendarmen sind erschossen worden. Da sind wir Kinder dann auch noch hinaufgelaufen. Bei der Brücke sind die Toten gelegen. Ein paar Wochen später ist dann das österreichische Militär eingezogen, da hat es keinen Widerstand mehr gegeben. Am Hauptplatz sind sie dann mit der Gulaschkanone gestanden.

Dann haben wir die Umwechslung mitgemacht. Da sind zehntausend Kronen ein Schilling geworden. Das Geld war alles weg, alles entwertet. Und dann bin ich bei einem Tischler in die Lehre gegangen, aber ich hab den Holzstaub nicht vertragen. Dann hab ich daheim in der Landwirtschaft gearbeitet, die war damals draußen in der Schützner Straße.

Kriegszeit

Im 40er Jahr habe ich einrücken müssen. Ich war zurückgestellt, weil ich mit einem Auge so schlecht gesehen hab, aber dann hab ich doch die Einberufung gekriegt. Im Wehrmeldeamt Oberwart sind wir gesammelt worden und dann nach Augsburg gekommen. Dort haben wir die Ausbildung gehabt. Ich war dann Nachrichtenhelfer.

Wie der Rückzug gekommen ist, sind wir nach Ostpreußen. Dann sind wir auf einem Kohlenschiff gewesen, bewaffnet war das nur mit einem Maschinengewehr. Schon am ersten Tag haben wir Fliegeralarm gehabt. Ein Lazarettschiff ist dabei versenkt worden. Am nächsten Tag ist ein starker Sturm gekommen. Das Kohlenschiff hat keinen Tiefgang gehabt, deshalb haben wir ankern müssen. Aber unser Glück war, daß die Flugzeuge bei dem Sturm nicht fliegen haben können. Wir sind dann Richtung schwedisches Hoheitsgebiet. Dort wären wir wieder eingesetzt worden, um den Kaiser-Wilhelm-Kanal zu verteidigen. Aber das war dann schon knapp vor dem Aus, die Matrosen sind schon abgerüstet, und wir haben von unserer Einheit dann auch das Soldbuch bekommen.

Heimkehr nach dem Krieg

Ich und ein Rheinländer haben uns dann auf die Füße gemacht nach Hamburg hinunter. In der Lüneburger Heide haben wir dann zwei Mädel getroffen. Die haben wir gefragt, ob’s da nicht einen Bauernhof gibt, wo Leute gebraucht werden, wir sind zwei Landser und wissen nicht wohin. Jetzt hat es geheißen: „Ja freilich, wir haben ja eh keine Leute. Die Ostarbeiter sind ja alle heim.“ Von der einen der Onkel war der Bürgermeister, und der hat uns gleich vermittelt und uns einen Aufenthaltsschein als Landarbeiter gegeben. Da oben war die englische Zone, und wenn sie einen ohne Ausweis erwischt haben, der ist dann ins Lager gekommen.

Nach ein paar Wochen bin ich dann weiter nach Thüringen. Dort hab ich durch Glück von den Amerikanern eine Reisegenehmigung gekriegt. Da hat man mir gesagt, ich soll ins Rathaus gehen, da werden Reisebescheinigungen für die vielen Flüchtlinge aus dem Rheinland ausgeteilt. Dann bin ich zu Fuß weitergegangen bis nach Bayern, dort unten sind dann schon die Züge gefahren. Bei Passau habe ich mich über die Grenze geschmuggelt und bei Haag – die Enns war die Grenze zwischen Amerikanern und Russen – bin ich in die russische Zone. Über allerhand für Umwege bin ich dann heim nach Pinkafeld.

Nachkriegszeit

Ich bin im Juni 45 heimgekommen, da waren die Russen da. Ich war ja vor dem Krieg auch der Ortsbauernführer, jetzt hab ich mich oben im Rathaus gemeldet. Da war der Hofmeister, der Gemeindekassier, und der hat gesagt: „Da sollte ich alle eintragen, was unter den Nazis ein Amt gehabt haben, aber Sie trage ich nicht ein, Sie waren ja eh ein echter Pinkafelder.“ Und dann sind sie im 46er Jahr zu mir gekommen und haben gefragt, ob ich den Bauernbundobmann nicht wieder weitermachen möchte, weil ich hab den Leuten immer geholfen.

Der Hammerl war der Bürgermeister und der Hofer war der Wachmann, da haben wir in der Nacht wachten gehen müssen, weil man Angst gehabt hat, daß die Russen die Frauen überfallen. Da sind wir beim Feuerwehrhaus zusammengekommen und sind immer zwei und zwei gegangen. Das war nicht ganz ein Jahr, bis es dann halt schon sicherer war, bis die Besatzung dann schon besser war.

Hochzeit

Geheiratet habe ich im 49er Jahr. Damals hat’s noch die Lebensmittelkarten gegeben, da hat man Beziehungen haben müssen. Der Onkel von der Frau war ein Faßbinder aus Rechnitz, und der hat für die Weinbauern Faßl gemacht und hat immer einen Wein gehabt. Jetzt sind wir mit den Ross hinunter gefahren Wein holen. Das Rindfleisch haben wir vom Schranz gekriegt, das ist ein Schulkollege gewesen und dann haben wir auch selber abgestochen. Ein wenig eine Mehlspeise haben wir auch gehabt. Wir haben in Oberschützen geheiratet, weil meine Frau von dort ist. Dort haben wir ein Zimmer im Haus ausgeräumt und dort gegessen.

Die Hochzeit war am Pfingstsamstag. Jetzt hat der Pfarrer gesagt: „Morgen ist Pfingsttag, daß ihr nicht zu lange aufbleibt!“. Dann ist es schon Früh gewesen, und wir sind mit den Ross beim Pfarrhof vorbeigefahren, da hat er dann gerade beim Fenster herausgeschaut.

Strukturwandel in der Landwirtschaft

Es hat ja fast lauter kleine Wirtschaften gegeben. Grad der Onkel, der „Stuan Karl“, hat eine größere gehabt. Aber mein Vater war nebenbei Hutmacher. In Pinkafeld waren ja sehr viele Landwirtschaften. Es hat ja auch jeder Gewerbetreibende nebenbei eine kleine Landwirtschaft gehabt. Die haben einen Knecht und eine Magd gehabt, die für die Landwirtschaft zuständig waren, und sie selbst haben derweil das Geschäft geführt. Vor dem Krieg hat’s in Pinkafeld 80 Betriebe mit Großvieh gegeben.

Ich hab die Landwirtschaft von daheim übernommen, denn mein Bruder ist im 36er Jahr gestorben. Und nach dem Krieg bin ich dann von der Schütznerstraße da herein und hab die Wirtschaft von meinem Onkel übernommen. Das alte Haus haben wir im 55er Jahr weggerissen. Beim Neubau haben wir dann mit dem Stall angefangen, daß wir das Vieh unterbringen konnten. Dann haben wir das Wirtschaftsgebäude und die Scheune gebaut. Das waren oft harte Zeiten, bis man das Geld zusammengebracht hat.

In den 60er Jahren ist von Heideggendorf einer mit einem Mähdrescher gekommen. Wir haben das Grundstück, wo jetzt die Siemens steht, auf Pacht gehabt, und dort ist er gefahren. Die Leute sind alle zusammengekommen, weil sie das sehen wollten. Dann war einer aus Vorau, der hat den Mähdrescher bei mir eingestellt. Der Besitzer hat im Sommer dann immer ein Monat lang bei uns gewohnt und gegessen, und die Leute da haben sich den Mähdrescher dann ausborgen können. Dann ist er wieder nach Vorau, da oben ist die Frucht ja erst später zeitig geworden.

Arbeit als Kommunalpolitiker

Im 54er Jahr bin ich in den Gemeinderat gekommen und im 55er bin ich Vizebürgermeister geworden. Das war ich dann 25 Jahre lang. Eine wichtige Aufgabe war damals die Grundstückszusammenlegung. Mit der haben wir im 58er Jahr angefangen, ich war der Obmann. Das war sehr problematisch, weil die Hälfte der Besitzer dafür sein hat müssen. Sie haben sich dann aber geeinigt, nur die Riedlingsdorfer unten beim Ried Lamplfeld waren zuerst dagegen, das hat dann noch ein paar Jahre gedauert. Aber die engen Streiferl haben sich ja nicht ausgezahlt, überhaupt dann, wie die Traktoren aufgekommen sind.

Gleichzeitig mit der Zusammenlegung war die Schätzung von den Grundstücken der DAG (Deutsche Ansiedlungsgesellschaft), die haben unter den Nazis die Herrschaftsgrundstücke verwaltet. Da ist es mir gelungen, um die 200 günstige Bauplätze im Bielfeld und Antonifeld zu machen. Der Preis war zwischen 2,80 und 4,50 Schilling/m 2. Außerdem habe ich erreicht, daß der Meierhof mit der Stadlwiese gleich für den Bau von einer technischen Mittelschule vorgesehen worden ist. Die Schätzleute vom Landwirtschaftsministerium haben gesagt: „Naja, dann braucht die Gemeinde da gar nichts machen, wir übergeben das Grundstück gleich direkt dem Unterrichtsministerium.“

Ich war dann auch Obmann für die Güterwege. Da haben wir in den 60ern dann die Güterwege nach Ehrenschachen, nach Hochart und auf den Kalvarienberg gebaut. Außerdem war ich in den 60ern Gründungsmitglied der Volksband Pinkafeld und in den 30ern Gründungsmitglied von der Obstverwertungsgesellschaft. Im 75er Jahr habe ich dann die goldene Medaille des Landes Burgenland gekriegt und die Kammermedaille in Silber, 78 bin ich Ökonomierat geworden und 1985 Ehrenbürger der Stadt Pinkafeld.