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Ferdinand Seper

14. Mai 1913, Unterwart
Lehrer, Schulleiter
5 VS, 4,5 Gymnasium, 5 LBA Oberschützen
2 Kinder

Vorkriegszeit

Meine erste Stelle als Lehrer war die Volksschule in Lockenhaus, danach war ich in der Volksschule in Unterwart. Daneben habe ich fertig studiert, meine Fächer waren Mathematik, Physik, Chemie und Geometrisches Zeichnen. Dann bin ich an die Hauptschule nach Rechnitz gekommen. Dort war ich ein Jahr lang. Das war eine Klosterschule, die von den Nazis aufgelassen wurde und wo dann weltliche Lehrer unterrichtet haben.

Kennenlernen des Ehepartners und Hochzeit

Ich habe meine Frau bei einem Kirtag, wo mich der Dechant Farkas eingeladen hat, kennengelernt. Dieser Kirtag war in der Nähe des Eisenberges, im ungarischen Großdorf. Meine zukünftige Frau war dort mit ihren zwei Schwestern auf Besuch, die haben den Dechant auch gekannt. Und der Dechant hat seinen Neffen aus Budapest und mich mitgenommen, weil er gesagt hat: „Wir brauchen ja Tänzer auch“. Nach einiger Zeit hab ich sie dann besucht, sie hat in Kapuvár gewohnt. Am letzten Tag des Jahres 39 haben wir dann geheiratet.

Die Hochzeit war folgendermaßen: In der Kirche waren wir in der Früh um acht, beim Notar waren wir am Abend davor schon, und zu Hause haben wir gegessen. Also keine großen Feierlichkeiten. Dann sind wir mit dem Zug bis Aspang gefahren, dort sind wir vier, fünf Tage geblieben; das war die Hochzeitsreise. Eine Wochen später mußte ich schon einrücken. Hier in Pinkafeld war meine Stammkaserne.

Kriegszeit

Ich hab also Ende November meine letzte Lehramtsprüfung gemacht, Ende Dezember hab ich dann geheiratet und am 13. Jänner bin ich schon eingerückt. Die erste Arbeit in der Kaserne war: Jeder mußte sich seinen Strohsack zum Schlafen selber füllen. Dann sind wir in den Krieg. Ich war Gruppenleiter einer Maschinengewehrgruppe. Einmal mußten wir Stellung nehmen, aber die da drüben haben uns recht bald entdeckt und uns beschossen. Ich hab den Rückzug befohlen, und ein Kollege hat dabei das Gestell vom Maschinengewehr stehen gelassen. Daraufhin hat mir ein Prozeß vor dem Kriegsgericht gedroht, weil ich das zugelassen habe. Am nächsten Tag haben wir zurückgehen und das Gestell holen müssen.

Ich bin im Laufe des Krieges Gott sei Dank sehr schnell verwundet worden. Ein Granatsplitter. Da war auch kurz Gefahr, daß sie mir das Bein abnehmen müssen. Dann bin ich wieder zurück nach Wien gekommen, dort hat mich meine Frau im Spital besucht und mir mitgeteilt, daß mein Bruder, der Oberleutnant war, gefallen ist. Das war furchtbar.

Heimkehr nach dem Krieg

Ich bin in Bruck/Mur gewesen, und da bin ich ins Rathaus. Dort war ein Mann, der am Stadtamt beschäftigt war, und der hat mich gefragt, wo ich herkomme. Wie ich ihm sage aus Unterwart, da sagt er: „Du, ich bin aus Eberau.“ Dann hat der mir eine Reisebewilligung besorgt, daß ich nach Unterwart gehen kann. Und dann hat ein Bekannter, ein hoher ungarischer Offizier, gesagt: „Ich übersetz dir das ins Russische“. Der war im 1. Weltkrieg in Rußland gefangen genommen worden und hat perfekt russisch können. Und mit diesem Schein hab ich sogar eine Stampiglie der Kommandantur gekriegt. Ich bin dann mit einem Güterzug nach Graz gekommen. Dort hab ich mich umgezogen, so daß mich die Russen nicht als Soldaten erkennen, und dann bin ich zu Fuß weiter bis nach Unterwart. Obwohl ich diesen Schein gehabt habe, bin ich meistens auf Umwegen, im Wald, gegangen.

Hauptschule Pinkafeld in der Nachkriegszeit

Ich hab dann gehört, daß einige Stellen ausgeschrieben sind. Der Schulinspektor hat zu mir gesagt, ich soll einmal nach Pinkafeld schauen, da ist der Direktor Mirtl, der ist sehr nett, der wird mir alles zeigen. Dann bin ich also herauf. Wir haben zuerst das Schulhaus reinigen müssen, denn da sind russische Truppen, also eigentlich Jugoslawen, einquartiert gewesen, die haben das Haus fürchterlich hergerichtet. Im Hof war ein tiefer Graben mit einem Holzgestell, wo die Soldaten sich draufgesetzt und ihre Notdurft verrichtet haben. Den haben wir dann zugeschüttet. Im Keller waren noch Betten von diesen Truppen, und da hab ich ein Bett genommen, hab’s gereinigt und es als Obststellage verwendet, weil ich sonst nichts gehabt habe. Da in der Pinkafelder Schule hat es einen schönen Obstgarten gegeben, den hab ich mit dem Schulwart geteilt.

Ich hab vor dem Krieg erst ein Jahr in einer Hauptschule, in Rechnitz, unterrichtet gehabt. Und nach dem Krieg bin ich in Pinkafeld gleich Schulleiter geworden. Es hat ja wenige gegeben, die die nötigen Prüfungen gehabt haben. Wir haben den Unterricht im Herbst 1945 aufgenommen. Die Schüler haben alle wiederholen müssen, weil sie das Jahr davor verloren haben, da haben sie im Feber schon mit dem Unterricht aufgehört.

Wenn wir Schularbeit geschrieben haben, dann hab ich zu den Schülern gesagt: „Gehts zum Führenstahl, der hat ein Packpapier. Wichtig ist, daß man darauf schreiben kann.“ Der Führenstahl, das war die Trafik, und der Besitzer war der Beauftragte von der Gemeinde für die Schulen.

Die Schule ist mit der Zeit aber zu klein geworden, da haben wir dann Klassen ins Feuerwehrhaus und ins alte Rathaus ausquartieren müssen. Und dann hat die Gemeinde gesagt: „Jetzt bauen wir eine neue Hauptschule“.

Russische Besatzung

Wo jetzt der Dr. Oblak ist, dort haben die Russen die Kommandantur gehabt. Dann haben sie mich zu dritt besucht, so eine Art Kontrolle. Sie sind auch in die Klassen hinein gegangen, aber sie waren sehr freundlich. In der dritten und vierten Klasse wurde dann auch Russisch unterrichtet, aber nicht Englisch, das wurde gestrichen.

Im Sommer darauf bin ich auf Krankenurlaub nach Baden, und da sind mir einmal vier hohe russische Soldaten entgegen gekommen. Und da war auch der Pinkafelder Kommandant dabei, und wie der mich sieht, kommt der auf mich zu und begrüßt mich und dann hat er mich den anderen vorgestellt. Ich war ganz verwundert, wie freundlich der war.